27. März 2025Andere📍 Hof
DMeStHyANeuigkeit

Digitalisierung im Budget: DMeStHyA trotzt der Inflation

Nordrhein-Westfalens hydrometeorologisches Messnetz wird digital – und das nahezu im Kostenrahmen. Trotz erheblicher Preissteigerungen zwischen 2022 und 2024 überschreitet das Vorhaben DMeStHyA das ursprüngliche Budget nur um 3,7 Prozent. Ein Ergebnis, das im Krisen-Kostenumfeld der vergangenen Jahre als bemerkenswert gilt.

Große Infrastrukturprojekte der öffentlichen Hand gelten gemeinhin nicht als Musterbeispiel für Budgetdisziplin. Das Vorhaben DMeStHyA – „Entwicklung eines digitalen Mess- und Steuerungssystems für hydrometeorologische Anwendungen" des Landes Nordrhein-Westfalen – bildet eine Ausnahme. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse der Hochschule Hof zeigt, dass die auf Basis der Kalkulation von 2021 veranschlagten Investitionen für die technische Modernisierung und Digitalisierung des hydrometeorologischen Messnetzes des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW mit rund 300 Messstellen bis Ende 2024 lediglich um 3,7 Prozent überschritten wurden. Angesichts der Inflationsraten von 6,9 Prozent im Jahr 2022, 5,9 Prozent im Jahr 2023 und 2,2 Prozent im Jahr 2024 wertet der zugehörige Artikel in der Fachzeitschrift WasserWirtschaft diese Budgettreue ausdrücklich als Projekterfolg.

Methodik: Kosten und Komplexität gemeinsam betrachtet

Der wirtschaftlichen Bewertung liegt eine neuartige, zweistufige Analyse zugrunde, die die Hochschule Hof eigens für das Vorhaben entwickelt hat. In einer kombinierten Komplexitäts- und Kosten-Nutzen-Analyse, ausgerichtet an den LAWA-Leitlinien zur dynamischen Kostenvergleichsrechnung von 2012, wurden zwei Hauptperspektiven systematisch erfasst: die räumliche Perspektive, die von der Einzelstation bis zur gesamten Landesebene reicht, sowie die Zielperspektive, die beschreibt, welche Maßnahmen welche konkreten Verbesserungen – etwa bei Datenqualität, Verfügbarkeit, Arbeitssicherheit oder Betriebseffizienz – bewirken sollen. DMeStHyA war eines der ersten Vorhaben in der deutschen Wasserwirtschaft, in dem diese Methodik zum Einsatz kam.

Was das Budget konkret geleistet hat

Hinter der Zahl von 3,7 Prozent verbirgt sich ein umfangreiches Arbeitsprogramm im LANUV-Messnetz. Bis zum Jahresende 2024 wurden im Laufe des Vorhabens rund 270 Messstellen begutachtet und mit standardisierten Schaltschränken sowie redundanter Datenübertragung modernisiert. Innerhalb dieses Rahmens wurden bis dato zusätzlich 66 Stationen an Neustandorten aufgebaut – damit sind rund 95 Prozent der laut Messnetzkonzept Hydrometeorologie NRW noch fehlenden Standorte realisiert. Für das Vorhaben wurden insgesamt 145 neue Standorte akquiriert, 75 davon als Verlagerung von bestehenden, aber ungeeigneten Altstandorten. 9 Neustandorte mussten standorttechnisch ebenfalls noch einmal umgesetzt werden. Herzstück der digitalen Infrastruktur ist die durchgängige Prozesskette von der Messstelle über das Prozessleitsystem SCADA.web bis zur cloudbasierten Datenplattform und dem digitalen Betriebsmanagementsystem KANiO.

Ein Modell für die Branche

Die Kombination aus nahezu vollständigem Netzausbau, hoher Akzeptanz, transparenter Komplexitätsanalyse und moderater Budgetüberschreitung macht DMeStHyA nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftler zu einem Best-Practice-Beispiel für die digitale Transformation in der Wasserwirtschaft. Bereits nach vier von fünf geplanten Projektjahren sind sowohl die wesentlichen technischen als auch die wirtschaftlichen Ziele erreicht. Die im Vorhaben gewonnenen Erkenntnisse und Daten bilden darüber hinaus die Grundlage für ein Anschlussprojekt zur KI-gestützten automatisierten Datenvorplausibilisierung, das seit Februar 2025 im Rahmen des Förderprogramms mFUND umgesetzt wird. Für andere Betreiber hydrometeorologischer Messnetze zeigt DMeStHyA, dass eine digitale Transformation mit Augenmaß – methodisch fundiert, technisch standardisiert und kommunikativ begleitet – auch unter wirtschaftlich widrigen Umständen gelingen kann.